Kinder- und Jugendmedizinische Versorgung in der Ortenau

Seit gut einem Jahr vertreten Bernd Mettenleiter (Grüne) und Willi Stächele (CDU) den Landtagswahlkreis Kehl in Stuttgart. Dort stellen die beiden Fraktionen von Mettenleiter und Stächele die Landesregierung. Aber nicht nur in der Landeshauptstadt wird zusammen regiert. Eine gemeinsame Anfrage zum wichtigen Thema „Kinder- und Jugendmedizinische Versorgung in der Ortenau“ zeigt: Auch vor Ort arbeiten die beiden Abgeordneten zusammen. „Wir könnten uns aus dem Weg gehen, tun dies aber bewusst nicht“, erzählt Mettenleiter. „Im Gegenteil: Wir wollen beide in Stuttgart die Themen aus unserer Region bestmöglich einbringen. Die Versorgung mit Kinder- und Jugendärzten ist ein gutes Beispiel dafür.“ Daher sei es wichtig sich regelmäßig abzustimmen. „Für die Gesundheitsversorgung in der Region ist es gut, wenn die Abgeordneten aus dem Wahlkreis zusammenarbeiten“, erklärt Stächele. Der ehemalige Minister weiß nur zu gut, dass Einigkeit im Wahlkreis für den Erfolg von Anliegen wichtig ist.

Der Acherner Kinderarzt Markus Wössner gab den entscheidenden Impuls für die kleine Anfrage unter der Landtagsdrucksache Nummer 17/2615. „Die pädagogische und medizinische Versorgung von Kindern wird in der Bevölkerung als ein zentraler Teil der Daseinsfürsorge wahrgenommen. Die Bedarfsplanung obliegt einerseits der ärztlichen Selbstverwaltung. Anderseits braucht es die Unterstützung aus Politik und Verwaltung, damit die Versorgung auch in Zukunft ortsnah und verlässlich aufrechterhalten werden kann“, so der Kinderarzt, der auch Ortenauer Obmann im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ist. „Es geht darum eine ehrliche Bestandsaufnahme zu machen. Daher begrüße ich das gemeinsame Vorgehen der beiden Abgeordneten.“

Die rechnerische Kinderarzt-Versorgung wird in der Antwort von der Kassenärztliche Vereinigung (KVBW) zwar mit 110 Prozent angeben. Jedoch räumt die KVBW selbst ein, dass die „vor Ort wahrgenommene Versorgungssituation (…) oftmals von der bedarfsplanerisch gemessenen Situation abweicht“. Diese Aussage ist für Wössner ein bemerkenswerter Schritt, denn „eine gravierende kinder- und jugendärztliche Unterversorgungssituation wird inzwischen – zunehmend auch öffentlich – eingeräumt. Die Anerkennung eines Mangels ist ein erster Schritt, um Abhilfe zu schaffen.“

Für Wössner müssen aber weitere Schritte folgen. Ein zentrales Anliegen der Anfrage war daher eine neuartige Form der Facharztausbildung für angehende Kinder- und Jugendärzte. Bei dieser sogenannten Verbundweiterbildung absolvieren die Ärztinnen und Ärzte ihre Fachausbildung nicht nur in der Klinik, sondern zusätzlich in den Praxen der niedergelassenen Ärzteschaft. Dadurch werden die Praxen entlastet. Finanziell fördert das baden-württembergische Sozialministerium die Einrichtung der Verbundweiterbildung. „Diese Förderung ist nicht selbstverständlich, aber es ist eine gut angelegte Investition“ zeigt sich Wössner überzeugt. Willi Stächele erhofft sich durch die Förderung, dass „zum einen die ambulante Versorgung gestärkt wird, zum anderen die angehenden Fachärztinnen und Fachärzte hervorragende Einblicke in den ambulanten Praxisbetrieb bekommen“.

In einem weiteren Punkt der Anfrage geht es um die Einrichtung eines Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) in der Ortenau. Aktuell gibt es in Baden-Württemberg 18 solcher ambulanten Versorgungszentren in denen ausschließlich Kinder und Jugendliche behandelt werden. „Dies würde die ortsnahe Versorgung besonders behandlungsintensiver Kinder enorm verbessern und damit gleichzeitig die niedergelassene Ärzteschaft entlasten“, beschreibt Mettenleiter die Vorzüge eines solchen Zentrums. „Jedoch liegt hier der Ball in erster Linie beim Krankenhausträger in der Ortenau“, so Mettenleiter weiter.

Ende des Jahres 2020 gab es in der Ortenau etwas über 75.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Diese Zahl nimmt weiterhin zu. Gleichzeitig steht bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ein Generationswechsel bevor. Diese Entwicklung führen auch in Zukunft zu einer angespannten Versorgungssituation. Die Antwort des Sozialministeriums beinhaltet weitere Möglichkeiten, die Entlastungen bieten können. Zu diesen gehören die Bildung größerer Praxiseinheiten wie zum Beispiel Medizinische Versorgungszentren oder die Delegation von medizinischen Leistungen auf neue Berufsgruppen. Zusammenfassend schreibt das Sozialministerium: „Für diese gesamtgesellschaftliche Herausforderung bestehen keine einfachen Lösungen.“ Für Wössner ist jedoch klar: „Politik muss sich um das Thema kümmern. Daher sind solche Initiativen – die Öffentlichkeit schaffen – wichtig.“

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