In Appenweier präsentierten Vertreterinnen und Vertreter der Naturkundemuseen Karlsruhe und Stuttgart erste Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts zur invasiven Ameisenart Tapinoma magnum.
Das Foyer der Schwarzwaldhalle war gut gefüllt, als der Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Kehl, Bernd Mettenleiter (Bündnis 90/Die Grünen), zur Vorstellung der aktuellen Erkenntnisse eingeladen hatte. Sogar aus Lörrach waren Interessierte angereist, um sich über den neuesten Stand zu informieren.
Zu Beginn gab Dr. Manfred Verhaagh, Ameisenexperte des Naturkundemuseums Karlsruhe, einen eindrücklichen Überblick über die Problemlage. Ähnlich wie die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) schädigt auch die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) die heimische Artenvielfalt massiv. Dort, wo Tapinoma magnum vorkommt, verschwinden einheimische Ameisenarten vollständig. Aufgrund ihres massenhaften Auftretens verursachen die Tiere ohne frühzeitige Bekämpfung erhebliche Schäden für die Biodiversität. Besonders hob Verhaagh hervor, wie wichtig Aufklärung und Prävention sind. Die bisherigen Forschungsergebnisse deuten klar darauf hin, dass vor allem Baumärkte und Gartencenter bei der Verbreitung der Art eine entscheidende Rolle spielen. Er forderte daher politische Maßnahmen, um weitere Einschleppungen zu verhindern. Ebenso seien Kommunen auf finanzielle Unterstützung bei der Bekämpfung angewiesen. Zudem müsse die Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern zur Eindämmung und Beobachtung verbessert werden. Mettenleiter nahm diese Hinweise auf: „Als politischer Vertreter einer besonders betroffenen Region sind mir Ihre Forderungen wichtig. Ich bleibe hier selbstverständlich am Ball.“
Im Anschluss stellte Amelie Höcherl, Projektleiterin am Naturkundemuseum Stuttgart, die Bedeutung von Information und Aufklärung für die Bevölkerung heraus. Das Projekt stellt nun einen Bestimmungsschlüssel bereit, mit dem Bürgerinnen und Bürger leicht erkennen können, ob es sich bei den im Haus oder Garten entdeckten Ameisen um Tapinoma magnum oder um heimische Arten handelt. Höcherl erläuterte weiter, dass sich seit dem Auftaktworkshop in Offenburg im April das öffentliche Bewusstsein stark geschärft habe. Die Zahl der gemeldeten Fälle sei deutlich gestiegen. Dabei zeigte sich, dass nicht nur die Rheinebene betroffen ist, sondern inzwischen auch Funde aus dem Schwäbischen sowie aus Ostdeutschland vorliegen. Dass der Befall besonders in Baden-Württemberg auffällig wird, liege nicht allein am milden Klima: „Wer suchet, der findet!“, kommentierte Mettenleiter. „In Baden-Württemberg gibt es vermutlich nicht mehr Nester als anderswo – aber wir schauen genau hin. Und je schneller wir handeln, desto besser sind die Chancen auf erfolgreiche Bekämpfung.“ In vielen Kommunen anderer Bundesländer fehle diese Aufmerksamkeit bislang.
Ein zentrales Element des Projekts ist die genetische Untersuchung der eingeschickten Ameisenproben. Anhand der DNA lassen sich Verbreitungswege und Lebensweisen rekonstruieren. Um eine möglichst breite Datenbasis zu erhalten, setzt das Projekt auf „Citizen Science“: Bürgerinnen und Bürger können Ameisenproben einsenden. Dafür stellt das Naturkundemuseum Stuttgart ein Sammlungskit bereit – ein mit Alkohol gefülltes Röhrchen, das die Proben konserviert, damit die DNA für die Analyse nicht zerfällt.
In der von Mettenleiter moderierten Abschlussdiskussion erhielten die zahlreichen Fragen und Anregungen aus der Bevölkerung breiten Raum. Neben Hinweisen zum praktischen Umgang mit den Tieren wurden auch konkrete Vorschläge aus der Bürgerschaft eingebracht – etwa der Einsatz von Nützlingen wie Fadenwürmern oder der mögliche Einsatz von Bakterien zur biologischen Bekämpfung. Zum Abschluss dankte Mettenleiter den Forscherinnen und Forschern für ihre Arbeit: „Sie tun das, was Wissenschaft leisten kann: Sie schaffen Wissen, damit Lösungen entstehen. Gerade bei invasiven Arten stehen wir vor großen Herausforderungen – und wir brauchen schnelle, wissenschaftlich fundierte Antworten.“
-----
Hintergrundinformation:
Finanziert wird das Forschungsprojekt über Landesmittel. Insgesamt 210.000 Euro wurden im Doppel-Haushalt 2025/2026 für die Erforschung der Ameisenart bereitgestellt. Über das Umweltministerium des Landes wurden daraufhin die beiden Naturkundemuseen Karlsruhe und Stuttgart mit der Umsetzung des Projektes beauftragt.
Allgemeine Informationen über das Forschungsprojekt finden Sie hier: https://www.naturkundemuseum-bw.de/forschung/projekte/tapinoma
Einen Blog-Artikel zur Bestimmung der Ameisenart Tapinoma magnum finden Sie hier: https://www.naturkundemuseum-bw.de/forschung/science-blog/ameisen-alarm-tapinoma-magnum-wenn-kleine-insekten-grosse-probleme-machen
Ameisenfunde selbst melden kann man über diese Plattform: https://artenkenntnis.info/de/anfragen/tapinoma-melden